Interkulturelle Öffnung des Arbeitgebers Kirche

 
Offene KirchentürAngesichts der demografischen Entwicklung und der zurückgehenden Zahl von Kirchenmitgliedern stehen christliche Gemeinden und kirchliche Einrichtungen Norddeutschlands wie andere Arbeitgeber vor der Herausforderung, gut qualifiziertes Personal zu bekommen und sich intern so aufzustellen, dass sie der Vielfalt der unterschiedlichen Zielgruppen gerecht werden.

 

KWB-Referentin Dr. Rita Panesar unterstützt den Prozess der interkulturellen Öffnung durch Beratung, Workshops und Moderation.

 

 

Wie können Kirchen sich auf neue Kundegruppen mit unterschiedlichem kulturellen und religiösen Hintergrund einstellen und sich als Arbeitgeber für eine vielfältige Belegschaft attraktiv halten? Dieser Frage stellen sich viele evangelische Kirchen und Gemeinden. Für die Nordkirche ist interkulturelle Öffnung zurzeit ein Schwerpunktthema.


Was die Einstellungsprozesse anbelangt, sind kirchliche Einrichtungen an die Loyalitätsrichtlinie gebunden. Sie gibt vor, dass Menschen, denen Aufgaben der Verkündigung, der Seelsorge und der evangelischen Bildung übertragen sind, Mitglied der evangelischen Kirche sein müssen. Dienststellenleitungen dürfen auch Mitglieder anderer christlichen Kirchen sein und für bestimmte Tätigkeiten dürfen sogar Menschen, die keine Christen sind, angestellt werden. Die Loyalitätsrichtlinien stehen jedoch zurzeit auf dem Prüfstand. Die Landeskirche wird wahrscheinlich noch Ende dieses Jahres über Veränderungen entscheiden.


Menschenansammlung auf einem MarktplatzAuch in den kirchlichen Gremien, Gemeinderäten, Kirchenvorständen und Synoden werden die Loyalitätsrichtlinen diskutiert und unterschiedlich ausgelegt: Einige Diakonische Werke empfehlen in Stellenausschreibungen lediglich die Kirchenmitgliedschaft, andere machen es zum Ausschlusskriterium. Für einige Führungskräfte ist es plausibel, auch muslimische Erzieherinnen zu beschäftigen, wenn in den Kindertagesstätten mehrheitlich Kinder mit Migrationsgeschichte betreut werden. Andere Führungskräfte lehnen dies grundsätzlich ab.

Der Diskurs verwundert nicht. Interkulturelle Öffnungsprozesse berühren immer auch das Selbstverständnis der Organisation. Sie fordern dazu auf, zu bestimmen, wofür man steht. So haben einige Mitarbeitende Sorge, ihre Identität zu verlieren und Privilegien abgeben zu müssen. Es wird argumentiert, dass nur diejenigen kirchliche Gelder verdienen dürfen, die auch selbst Kirchensteuern zahlen. Für viele beginnen theoretischer Anspruch und gelebte Wirklichkeit, verstärkt durch gesellschaftliche Pluralisierungs- und Säkularisierungsprozesse, auseinanderzuklaffen.

Andere weisen darauf hin, dass Kirchen und kirchliche Einrichtungen nur dann überlebensfähig sind, wenn sie mit der Zeit gehen und sich allen Menschen zuwenden. Sie finden auch innerhalb alt- wie neutestamentarischer Texte viele Argumentationsgrundlagen. So werde eher das "rechte Tun" als die "formale Zugehörigkeit" als Kriterium für christliche Gemeinschaft genannt.

Kirchturm an dem bunte Ballons vorbeifliegenEinige Kirchen und Gemeinden sind schon einen Schritt weiter und haben bereits Maßnahmen der interkulturellen Öffnung ergriffen: So hatte sich das Diakonische Werk Hamburg-West Südholstein bereits 2012 bis 2014 in einen durch die KWB moderierten Prozess zur Interkulturellen Öffnung begeben. Ergebnis war ein verändertes Leitbild, ein umfangreicher Zielkatalog und ein nachhaltiges Beschwerdemanagement.


Das Diakonische Werk Hamburg stellt bei der Wohnungslosenhilfe verstärkt Menschen mit bulgarisch oder rumänisch-Kenntnissen ein, um mit Obdachsuchenden dieser Herkunftsländer besser kommunizieren zu können.


Und das Diakonische Werk Husum, aber auch andere Diakonische Werke, machen sich gemeinsam mit der KWB und Projekten wie "Türen öffnen – Vielfalt leben vor Ort" des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) der EU auf den Weg, um Personal, Qualitätsmanagement, Angebote und Leistungen, aber auch Strategien der Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung auf die Vielfalt ihrer Klienten/-innen auszurichten.

 

Interkulturelle Öffnungsprozesse kommen letztlich allen zu Gute. Sie regen Diskussionen über ein neues Selbstverständnis an, verbessern die Servicequalität für alle Zielgruppen, erschließen neue Kunden/-innen- und Mitarbeiter/-innen-Gruppen und schaffen durch Unterstützungs- wie Vernetzungsmaßnahmen Entlastung für Mitarbeitende.

                                                                                                                                     Fotos: Pixabay

Projektträger

 

Projekthomepage

 

 

www.bqm-hamburg.de

Kontakt

 


 

 

Dr. Rita Panesar
KWB-Referentin
Tel.: 040 334241-422

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